Home > Medien > Leserbriefe > Kinder / Fremdbetreuung

Ein Schritt in die richtige Richtung

Leserbrief vom 16.11.2013 zur Familien-Inititive an den "Alttoggenbnurger" und das "Tagblatt"

Für jedes Kind soll unabhängig von weiteren Faktoren in Zukunft ein gleich hoher Steuerabzug gemacht werden können. Eigentlich eine klare und gerechte Sache. Aber immer wieder kommt das Argument, dass wo nichts verdient werde, auch kein Steuerabzug gemacht werden könne. Dabei verzichtet die Familie bei Eigenbetreuung oft auf einen zweiten Verdienst. Auch spricht man kaum von den hohen Beiträgen der öffentlichen Hand an Kinderkrippen. Alle Steuerzahler zahlen indirekt an diese Kosten, auch wenn sie diese nicht nutzen. Gemäss Weltwoche macht dies jährlich insgesamt mindestens 450 Millionen Franken an Direktzahlungen. Die Subvention belaufe sich pro Kind zwischen null und vier Jahren auf jährlich bis über 3000 Franken, unabhängig davon, ob ein Kind auch tatsächlich eine Kinderkrippe besucht. Bei 25 Prozent Krippenkindern macht dies bis über 12‘000 Franken jährlich je Krippenplatz. Ist dies gerecht?

Mir ist klar, dass lange nicht alle Familien von den Steuerabzügen gleich viel profitieren, schon heute nicht. Am meisten nützen sie wohl Familien mit zwei Einkommen und einem höheren Einkommen, die es eigentlich weniger nötig haben. Diese Initiative macht die Familienbesteuerung etwas gerechter, verhindert aber noch zu wenig finanzielle Engpässe bei kleiner Kaufkraft. Bei einer Annahme werden kaum mehr Frauen inskünftig ihre Kinder selber betreuen. Dafür ist der Anreiz zu klein. In meinen Augen viel gerechter und unabhängiger von einem bestimmten Familienmodell wäre ein kaufkraftabhängiges Kindergeld, welches den Familien ermöglicht, auch mit niederem Einkommen, eine Familie durchzubringen. Dafür gäbe es dann keine Subventionen von der öffentlichen Hand mehr für Kinderkrippen. Aber diese Lösung steht momentan leider nicht zur Diskussion.

Mich stimmt traurig, dass die meisten Parteien nur noch das brachliegende wirtschaftliche Potential von Müttern sehen. Wer fragt, was Eltern wollen und was den Kindern am besten dient? Nestwärme, Verlässlichkeit und Liebe daheim können keine Krippe ersetzen. Es gilt, die unbezahlte Familienarbeit wieder vermehrt wert zu schätzen, zu schützen und zu stützen, damit Kinder zu lebenstüchtigen Erwachsenen aufwachsen können. „Es ist nicht der Staat, nicht die Schule, nicht irgendetwas anderes das Fundament des Lebens, sondern das Haus ist es. Nicht die Regenten regieren das Land, nicht die Lehrer bilden das Leben, sondern Hausväter und Hausmütter tun es; nicht das öffentliche Leben ist die Hauptsache, sondern das häusliche Leben ist die Wurzel von allem, und je nachdem wie die Wurzel ist, gestaltet sich das andere.“(Jeremias Gotthelf) Das gilt auch heute noch. Deshalb sage ich ja zur Familien-Initiative.

Lisa Leisi, Präsidentin EDU Toggenburg, vierfache Mutter, Michelaustrasse 29, 9615 Dietfurt

Traditionelle Familie fördern

Leserbrief in der Wilder Zeitung vom 25. April 2013

Die Schlagzeilen rund um die Familien-Initiative, welche in den letzten Tagen in dieser Zeitung zu lesen waren, lassen mich nicht in Jubel ausbrechen. Einer Mehrheit im Nationalrat ist anscheinend die Erziehungsarbeit, welche Väter und Mütter leisten, nicht so viel wert, dass sie einem Steuerabzug zustimmen könnten. Dabei lässt sich die Betreuungsaufgabe von Kindern in keiner Weise mit etwas Steuererleichterung „bezahlen“.  Aber der Betreuungsabzug könnte ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung  sein, sozusagen ein kleines Danke an Eltern.
Ich bin der Meinung, dass die traditionelle Familie sehr wohl speziell gefördert werden soll. Die Gesellschaft braucht die Kinder, sie sind unsere Zukunft. Die Demografie unserer Schweiz  lässt grüssen. Ermutigen wir die junge Generation, eine Familie zu gründen?
Unserer Gesellschaft muss es wert sein, dass Mütter / Väter diese Jahre in ihre Kinder investieren dürfen, um ihnen Nestwärme zu bieten und sie zu verantwortungsbewussten Menschen und Bürgern zu erziehen.  Eltern sein ist hoch im Kurs! Darum werde ich bei der Abstimmung der Familien-Initiative zustimmen. 
Rösli Fässler,  EDU, Gehrenstr. 19, 9230 Flawil

Nur vermeintliche Familienförderung - zu welchen Kosten?

Leserbrief im St. Galler Tagblatt vom 15. Feb. 2013 zur Abstimmung vom 3. März 2013

Anfangs März haben wir abzustimmen über den Bundesbeschluss über die Familienpolitik. Der Inhalt ist einseitig. Neu ist lediglich die Förderung der Berufstätigkeit und Ausbildung  der Eltern (Verantwortung von Bund und Kantonen) und in diesem Zusammenhang ein bedarfsgerechtes Angebot an Betreuungsplätzen für kleine und grosse Kinder (Verantwortung von Kantonen). Wenn nötig soll der Bund Grundsätze festlegen. Die ganze Sache wird sehr ins Geld gehen, wobei in den vergangenen Jahren der Bund bereits für sehr viele neue Krippenplätze Anschubfinanzierung geleistet hat.

Unser Bestreben im Hinblick auf eine auch längerfristig funktionierende Gesellschaft sollte sein, die Familien zu schützen und ihnen möglichst gute Rahmenbedingungen zu geben. Kleine Kinder brauchen ganz besonders die Zuwendung der Mutter, damit sie sich gesund entwickeln, dies ist bekannt. Aber auch grössere und sogar Jugendliche brauchen Nestwärme, und sie sollen wichtige Grundsätze für das Leben lernen. Für Ausnahmefälle braucht es Krippen und so weiter, auch Grosseltern und Nachbarn, die hüten, das ist klar. Doch ich sehe es als sehr wichtig an, die Eltern möglichst für diese wichtige Aufgabe der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder frei zu stellen, ihnen die Verantwortung nicht zu entziehen, sondern sie zu unterstützen (z.B.  durch Kurse…). Diese Arbeit der Eltern hat sehr grossen Wert und soll auch Wertschätzung erhalten. Wie wäre es mit einem Steuerabzug für jedes Kind, das zu Hause betreut wird? Dass die Berufstätigkeit beider Elternteile noch mehr vorangetrieben werden soll, erachte ich als kontraproduktiv.  Kinder und Jugendliche brauchen die Aufsicht und Begleitung der Eltern. Es arbeiten bereits heute sehr viele Mütter auch noch ausser Haus, was nicht nur Vorteile in Form von mehr Geld und evtl. Befriedigung bei der Arbeit bringt, sondern auch Nachteile, wie Stress, weil Beruf, Kinder und Haushalt  von einem doch viel fordern. Die Kinder sind in besonderer Weise die Leidtragenden. Den Unternehmen schlage ich vor, statt Mütter anzustellen, Arbeitslosen, z.B. Menschen über 50, eine verdiente Chance zu geben, wo sie ihre Kräfte und ihre Lebenserfahrung einbringen können. In diesem Alterssegment sind meist die Kinder schon ausgeflogen. 

Ich sage mit Überzeugung nein zum Verfassungsartikel der vermeintlichen Familienförderung.

Rösli Fässler, EDU, Gehrenstr. 19, 9230 Flawil

Verlierer sind die Kinder

Leserbrief zur Meldung im Toggenburger Tagblatt „Familie und Beruf besser verzahnen“ auf Seite 5 am Dienstag, 8. Januar 2013 erschienen unter der Rubrik „inland“

Es tönt gut: Man will im geplanten Verfassungsartikel festhalten, dass Bund und Kantone die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit fördern. Die Kantone sollen für ein bedarfsgerechtes Angebot an familien- und schulergänzenden Tagesstrukturen sorgen. 

Nur, wie familienfreundlich – und damit kinderfreundlich – ist dieses Anliegen tatsächlich? Ist es für Kinder wirklich das Beste, wenn diese möglichst früh ausserhalb der Familie betreut und gefördert werden? Ist es ein Vorteil für die Eltern und im Speziellen die Mütter, wenn beide Elternteile möglichst voll erwerbstätig sein können? Es wird ständig suggeriert, dass Frauen sich vor allem mit einer Arbeit ausser Haus verwirklichen können. Es scheint, dass es nichts Besseres gibt, als beruflich Karriere zu machen und dass die allermeisten Frauen dies wollen und können. Auch keine Rede von den Arbeiten, die daheim liegenbleiben, dem Stress und der fehlenden Energie an Feierabend, wenn die Kinder einen noch fordern.

In Schweden gibt es eine längere Erfahrung mit der flächendeckenden Krippenbetreuung. Noch wird daran festgehalten. Kein Wort über den zunehmenden Leistungsabfall der Jugendlichen, die grassierenden Verhaltensauffälligkeiten an den Schulen, die die Lehrer vor riesige Herausforderungen stellen. Es wird verschwiegen, dass Eltern sich in Schweden oft nicht mehr zuständig fühlen für die Erziehung ihrer Kinder. Man will die Ursachen nicht sehen, wenn zunehmend Frauen mit 50 Jahren den Beruf an den Nagel hängen, weil sie ausgebrannt sind.

In der Schweiz will man die Fehler anderer Länder kopieren und die Kinder in Krippen kollektivieren. Der scheinbare Profit privat und in der Wirtschaft wird nicht nachhaltig sein, wenn viele Kinder verkümmern, weil sie in den ersten drei Jahren keine richtige Nestwärme erfahren durften. Eine Langzeitstudie der Universität St. Louis, USA, kam im Jahr 2011 zu dem Ergebnis, dass Schulkinder einen höheren sog. „Zuwendungsindex“ besaßen, deren Mütter sich während der Kleinkinderzeit intensiv mit ihnen beschäftigt hatten. Die Forscher konnten nachweisen, dass sich bei diesen Kindern ein größerer Hippocampus entwickelt hatte. Das ist die Hirnregion, die für Gedächtnis, Emotionen und Stressbewältigung wichtig ist. Es zeigte sich: Je mehr konstante Betreuung ein Kleinkind durch seine Mutter (und den Vater) in den ersten drei Lebensjahren erfährt, umso leistungsfähiger erweist sich bereits das Schulkind und später auch der Erwachsene. Eltern müssen in ihrer Rolle gestärkt und nicht geschwächt werden! Deshalb heisst richtig verstandene Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dass die Familie möglichst von einem Verdienst – auch aufgeteilt  - leben kann und die Eltern ihre Kinder am besten selbst betreuen. Und deshalb muss der irreführende Familienartikel, der am 3. März zur Abstimmung kommt, abgelehnt werden.    

Lisa Leisi, Michelaustrasse 29, 9615 Dietfurt, vierfache Mutter und Vizepräsidentin der EDU Kanton St. Gallen

Symptombehandlung

Leserbrief zum Artikel „Weniger Kinder, mehr Ältere: Was ist zu tun?“ von Anita Dörler, erschienen im Tagblatt unter „meinung“ auf Seite 2 am Samstag, 28. März 2009

Der demographische Wandel hin zu mehr älteren Leuten und vergleichsweise wenig Nachkommen ist tatsächlich eine Realität. Wir haben es weit gebracht in unserem Land: wir wollen uns über unsere Verhältnisse viel leisten, doch genügend Kinder, um unseren Fortbestand zu sichern, wollen wir uns nicht mehr gönnen. Der grenzenlose Egoismus gefährdet die Zukunft der Schweiz. Die Frage stellt sich, ob wirklich die richtigen Massnahmen ins Auge gefasst werden, um diesen trüben Aussichten zu begegnen. Auch muss gefragt werden, wo in der Vergangenheit die Weichen falsch gestellt wurden. Es wird weiterhin das Hohelied des Ausbaus des Fremdbetreuungsangebotes für Kinder angestimmt. Es wird suggeriert, glückliche Mütter seien berufstätige Mütter!

Was, wenn viele Frauen ihre grösste Befriedigung im Beruf suchen, aber nur als Mutter echte Erfüllung finden können und deshalb ihre wahren fraulichen Qualitäten und Begabungen gar nicht richtig ausleben? Dies, weil in unserer Gesellschaft die Selbstverwirklichung in Mutter- und Vaterpflichten nicht als erstrebenswert angesehen wird. Was, wenn viele Kinder ihrer optimalen Entwicklungsmöglichkeit, besonders im seelischen Bereich, beraubt werden, weil die Eltern ihnen nicht den Stellenewert in ihrem Leben beimessen, der ihnen gebührt? Was ist, wenn sich eines Tages herausstellt, dass die zu frühe und zu intensive Fremdbetreuung der Kinder viele lebens- und beziehungsuntüchtige Erwachsene hervorgebracht hat? Was ist einmal, wenn diese wenigen jungen Erwachsenen keine Zeit für ihre Eltern haben, wie diese keine Zeit für sie hatten, als sie darauf angewiesen waren? 

Wir hätten es in der Hand, die richtigen Prioritäten zu setzen und auf die warnenden Stimmen von Psychologen und Pädagogen zu hören. Wir hätten es in der Hand, kinderreiche Familien zu fördern und zu unterstützen. Ebenso könnten wir in der bereits begonnenen Rezession ein Zeichen setzen, indem wir dafür sorgen, dass Familienväter, und wer sonst darauf angewiesen ist, einer existenzsichernden Arbeit nachgehen können. Zum Beispiel, indem Frauen freiwillig daheim bleiben, die nicht auf eine bezahlte Arbeit ausser Haus angewiesen sind. Schliesslich liegt es an unserer Gesellschaft, ob Müttern älterer Kinder die Möglichkeit geboten wird, wieder in die Arbeitswelt integriert zu werden, etwa mit Wiedereinstiegskursen.

Es ist davon auszugehen, dass die Zuwanderung von vielen Ausländern unser Land vor zusätzliche, enorme Herausforderungen stellen wird und uns viel teurer zu stehen kommen wird, als investierte Zeit und Liebe in eigene Kinder bei weniger materiellem Reichtum! Nur dass damit der Schaden noch grösser wird, wenn andere Länder ihrerseits auf gut ausgebildeten Nachwuchs zu unseren Gunsten verzichten müssen! 

Lisa Leisi, Mutter von 4 Kindern, EDU, 9615 Dietfurt